Die Lage der Studierenden und des wissenschaftlichen Nachwuchses

Das BMBF finanziert direkt oder indirekt einen erheblichen Teil der Programme zur Unterstützung der Studierenden und des wissenschaftlichen Nachwuches. Die Erhebung der sozialen Situation der Studierenden und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gehört daher zu den wichtigen Aufgaben des BMBF.


Allen einschlägigen Studien zufolge steigt der Bedarf an wissenschaftlich und technisch ausgebildeten Arbeitskräften in Deutschland weiter an. Die beruflichen Qualifikationsanforderungen steigen, gleichzeitig nimmt die Zahl der Jugendlichen in Ausbildung durch den demografischen Wandel ab. Die Lage wird dadurch verschärft, dass in den nächsten Jahren in Deutschland überproportional viele Wissenschaftler durch Erreichen der Altersgrenze aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Die Verfügbarkeit hoch qualifizierter Arbeitskräfte ist ein entscheidender Faktor für Erfolg und Misserfolg im verschärften Wettbewerb der Industriegesellschaften des 21. Jahrhunderts. Eine Innovationspolitik, die den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs gerecht werden will, muss der Erneuerung und Förderung von Bildung und Ausbildung hohe Priorität beimessen. Das gilt neben der Berufsausbildung in besonderer Weise für Hochschulen in ihrer Rolle als wissenschaftsorientierter Sektor des Qualifizierungssystems. Es gilt, das Leistungspotential von Frauen für die Wissenschaft effektiv zu erschließen. Der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses durch die Universitäten kommt dabei herausragende Bedeutung zu. Die Bundesregierung wird auch in Zukunft die Universitäten bei der Erfüllung dieser Aufgaben im Rahmen ihrer Kompetenz und der ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten unterstützen.

Eine wissenschaftliche Qualifikation ist kostspielig. Das BMBF finanziert direkt oder indirekt einen erheblichen Teil der Programme zur Unterstützung der Studierenden über das BAföG und des wissenschaftlichen Nachwuchses über Stipendien und andere Programme. Grundlage für politische Entscheidungen über die Unterstützung bilden Erhebungen über die soziale und wirtschaftliche Lage des Nachwuchses.

Die Lage der Studierenden 2004

Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden ist heute deutlich besser als bei der Vorstellung der Ergebnisse der letzten Erhebung vor drei Jahren. Wesentlich für diese Verbesserung ist die Reform des BAföGs. Nach den Daten der 17. Sozialerhebung erhielten im Sommersemester 2003 rund 33 Prozent der in der Regelzeit Studierenden BAföG – vier Prozentpunkte mehr als im Jahr 2000. Entscheidend ist, dass der durchschnittliche Förderbetrag mit 352 Euro um 15 Prozent höher liegt als im Jahr 2000.

Die Zahl der geförderten Studierenden und Schüler stieg von 1998 bis 2003 von nur 341.000 nach aktuellen Schätzungen auf insgesamt rund eine halbe Million. Der Anteil der mit dem BAföG-Höchstsatz Geförderten stieg zugleich von knapp 34 Prozent auf fast 47 Prozent an. Dies läßt sich auch am Leistungsvolumen ablesen. Nach der Abwärtsentwicklung bis 1998, als das Ausgabevolumen mit 1,2 Milliarden Euro einen Tiefpunkt erreichte, wurden die Leistungen inzwischen wieder auf 2,03 Milliarden Euro im Jahr 2003 nahezu verdoppelt.

Wie wichtig BAföG für das Studium ist, zeigen die Antworten der befragten Studierenden: 69 Prozent der BAföG-Empfänger erklären, dass sie ohne BAföG nicht hätten studieren können. Gut die Hälfte betrachtet die Förderung als angemessen und als sichere Planungsgrundlage. Dies dokumentiert den wichtigen Beitrag des BAföG zur Chancengleichheit im Bildungswesen.

Der Effekt für Wirtschaft und Gesellschaft zeigt sich daran, dass durch die Reform des BAföG mehr junge Menschen für ein Studium motiviert werden konnten. Schon im Sommersemester 2003 wurde die Rekordmarke von zwei Millionen Studierenden durchbrochen. Erstmals wurde nach OECD-Zahlen eine Studierenden-Quote von 36,5 Prozent eines Altersjahrgangs erreicht, acht Prozentpunkte mehr als noch 1998.

Die Erhebungen des BMBF

Das BMBF fördert seit vielen Jahren bundesweite Befragungen der Studierenden:

  • die sogenannte Sozialerhebung „Das soziale Bild der Studentenschaft in der Bundesrepublik Deutschland“ – die Sozialerhebungen sind zur umfassendsten Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Studierenden seit Bestehen der Bundesrepublik geworden -und 
  • die Untersuchung zu „Studiensituation und studentische Orientierungen“; in dieser so genannten „Konstanzer Erhebung“ werden die Erfahrungen der Studierenden in Studium und Lehre, die Entscheidung der Studierenden zu Studium und Berufswahl und die motivationalen Tendenzen untersucht.

Darüber hinaus wird mit dem Projekt EURO-STUDENT-Report eine der deutschen „Sozialerhebung“ vergleichbare sozialwissenschaftliche Synopse, an der inzwischen bereits zahlreiche EU-Staaten teilnehmen, ein Beitrag zur Forschung im Bereich der sozialen Dimension geleistet und damit ein aktiver Beitrag im Rahmen des Bologna-Prozesses erreicht.

Mit der HISBUS-Befragung, die als virtuelles Studierendendorf angelegt ist, wird gegenwärtig ein neu entwickeltes, methodisch-wissenschaftlich gesichertes Befragungsinstrument online, d. h. als Online-Panel erprobt.

Wie seit vielen Jahren fördert das BMBF auch künftig hochschulbezogene zentrale Maßnahmen studentischer Verbände und Organisationen, Antragstellungstermin für die Förderrunde 2004/2005 war der 1. Juni 2004.

Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Das BMBF vergibt selbst keine direkten Fördermittel in Gestalt von Stipendien oder Stellenmittel, sondern bedient sich bei der Förderung Mittler- und Wissenschaftsorganisationen. Die materielle Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgt

  • in Beschäftigungsverhältnissen mit unterschiedlichen Finanzierungsquellen und
  • alternativ durch Stipendien.

Beide Förderformen gibt es sowohl bei Doktoranden als auch bei Postdoktoranden. Für Doktoranden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG und den Deutschen Akademischen Austauschdienst  DAAD, die Begabtenförderungswerke, Universitäten und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen.

Förderung von besonders begabten Studierenden, Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern

Die Förderung besonders begabter Studierender sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hat einen hohen gesellschafts- und bildungspolitischen Rang. Die zukunftsweisende Entwicklung unseres Landes braucht den Beitrag dieser außerordentlich begabten Köpfe. Deshalb stellt die Bundesregierung den elf Begabtenförderungswerken – zumeist Stiftungen – für ihre Arbeit erhebliche finanzielle Mittel zur Verfügung und unterstützt damit jedes Jahr viele talentierte Studierende und Promovierende durch Stipendien. Die jährlichen Aufwendungen betragen derzeit 80,5 Mio. € (http://www.begabtenfoerderungswerke.de/).

Ein nicht unwesentlicher Aspekt der Doktorandenförderung ist die Beteiligung an der Forschungsarbeit der Universitäten, der Zentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der Institute der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Leibniz Gemeinschaft, der Bundesforschungsanstalten, der deutschen geisteswissenschaftlichen Auslandsinstitute u. a., die vom BMBF auch finanziell gefördert wird.

Promotionsstipendien finanziert das BMBF über die elf „Begabtenförderungswerke“. Die Stipendien können bei den Begabtenförderungswerken selbst beantragt werden und werden dort nach einem Auswahlverfahren vergeben. Eine Ausnahme bildet die Studienstiftung des deutschen Volkes, wo ein Professorenvorschlag oder der eines Schulleiters Voraussetzung ist.

Der Förderhöchstsatz beträgt 920 € (Familienzuschlag 155 €, Forschungspauschale 100 €). Angerechnet wird nur Einkommen des Stipendiaten, soweit es 3.070 € im Jahr (netto) übersteigt. Die Regelförderdauer beträgt zwei, im Höchstfalle vier Jahre. Auslandsaufenthalte können gefördert werden, Promotionen an ausländischen Hochschulen nur in begründeten Ausnahmefällen. Ausländer mit ausländischem Hochschulabschluss können dann gefördert werden, wenn sie von einer deutschen Hochschule zur Promotion zugelassen sind. Zur Zeit werden von den Werken rund 2.800 Doktoranden gefördert. 

Daneben fördern auch die Länder Doktoranden durch Stipendien über ihre Hochschulen, meist auf der Grundlage von eigenen Graduiertenförderungsgesetzen.