Lebenslanges Lernen

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ hat heute keine Geltung mehr. Lernen hört nach Schule, Ausbildung oder Studium nicht auf, denn Lernen ist das wesentliche Werkzeug zum Erlangen von Bildung und damit für die Gestaltung individueller Lebens- und Arbeitschancen. Lebenslanges Lernen heißt das Schlüsselwort, wenn man auf dem Arbeitsmarkt mithalten, einen Berufs- oder Schulabschluss nachholen oder sich einfach nur weiterbilden will.


Lebenslanges Lernen durchbricht die Grenzen herkömmlicher Bildungsstrukturen und die Einteilung in strikt aufeinander folgende Abschnitte eines Bildungsweges, der oft mit dem Schul- oder dem Hochschulabschluss beendet ist. Vielfach wird Lebenslanges Lernen nur verstanden als die Anpassung von Qualifikationen an neue Erfordernisse, die im Berufsleben aus dem technischen Fortschritt erwachsen. Dafür gibt es aber lange schon ein breites Angebot beruflicher Fort- und Weiterbildung oder anderer Zusatzqualifikationen.

Lebenslanges Lernen bedeutet mehr – zum einen, den Wiedereinstieg in Bildungswege zu ermöglichen, zum anderen die im Beruf erworbenen, aber nicht formal bescheinigten Kompetenzen zertifizieren zu lassen und dafür neue Lehr- und Lernformen anzubieten. Darüber hinaus schließt es aber auch mit ein, Bildung als Weg zu mehr Eigenverantwortlichkeit im Leben anzubieten. Es umfasst also die Gesamtheit allen formalen, nicht-formalen und informellen Lernens ein Leben lang. Das Konzept des Lebenslangen Lernens verzahnt die bisher stark segmentierten Bildungsbereiche und integriert Vorschulbildung, schulische Bildung, Berufsbildung, Hochschulbildung sowie allgemeine und berufliche Weiterbildung zu einem kohärenten, das heißt aufeinander aufbauenden und vor allem durchlässigen Gesamtsystem.

Lebenslanges Lernen hilft, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken und Ausgrenzung soweit  wie möglich zu vermeiden. Im Rahmen einer Gesamtstrategie soll das Ziel verfolgt werden,

  • die Bildungsteilhabe zu erhöhen,
  • allen Menschen mehr Chancen zur persönlichen, ihren Begabungen entsprechenden gesellschaftlichen und beruflichen Entwicklung zu ermöglichen und
  • den Standort Europa mitzugestalten.

Dabei werden insbesondere bildungspolitische Zielsetzungen verfolgt wie Erhöhung der Transparenz, Verbesserung der Beratung, Sicherung der Qualität aller Bildungsbereiche, Förderung neuer Lehr- und Lernkulturen, Zertifizierung von Weiterbildungsleistungen und Schaffung eines lernförderlichen Umfelds für Menschen in speziellen Lebenslagen. Das soll helfen, die Herausforderungen des gesellschaftlichen und demographischen Wandels zu meistern. Gleichzeitig wird so die Grundlage für mehr Beschäftigung gelegt. Somit ist Lebenslanges Lernen ein wichtiger Innovations- und Wettbewerbsfaktor.

Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und zur Prävention von Arbeitslosigkeit leisten Bund und Länder im Rahmen der Förderung Lebenslangen Lernens auf allen Ebenen des Bildungssystems, insbesondere im Rahmen der Beruflichen Aus- und Weiterbildung, aber auch in der allgemeinen Weiterbildung. Die Verbesserung des Zugangs zu Bildung und Qualifikation, die Förderung von benachteiligten Personen und ein möglichst wohnortnahes Angebot stehen bei der Weiterentwicklung aller Bildungsbereiche im Vordergrund und sind zu entscheidenden Reformvorhaben in Deutschland geworden.

Ziele

Der Bund zielt auf einen Orientierungsrahmen und dessen schrittweise, pragmatische wie auch nachhaltige Umsetzung gemeinsam mit den Ländern, den Sozialpartnern und den Trägern und orientiert sich an folgenden Zielen:

  • Mobilisierung aller Begabungen – Erhöhung der Bildungsbeteiligung,
  • Entgrenzung – Erhöhung der Durchlässigkeit,
  • Gestaltung von Lernprozessen – Erhöhung der Professionalität,
  • Qualitätsoffensive – Schaffung eines konsistenten Konzepts und
  • vorausschauende Orientierung – Verbesserung der Entscheidungsgrundlagen.

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) hat 2003 eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines von Bund und Ländern gemeinsam getragenen Strategiepapiers eingesetzt. Expertenbefragungen und eine Sammlung von „good practice“ Beispielen sollen die am biografischen Ansatz orientierten Arbeiten der Ad-hoc-Arbeitsgruppe unterstützen. Ihre Tätigkeiten werden im Frühsommer 2004 abgeschlossen sein. Dabei sind die Erfahrungen aus den bisherigen Handlungsfeldern der jüngsten Vergangenheit zur Umsetzung des Lebenslangen Lernens in Deutschland eine wichtige Orientierung für die Arbeit.

Damit entspricht Deutschland gleichzeitig der Forderung des Europäischen Rates vom 27. Juni 2002 zur Entwicklung kohärenter Strategien Lebenslangen Lernens in den Staaten der Europäischen Union.

Maßnahmen

Das BMBF hat 2001 im Aktionsprogramm „Lebensbegleitendes Lernen für alle“ konkrete Handlungsfelder identifiziert und entsprechende Maßnahmen auf den Weg in eine „lernende Gesellschaft“ gebündelt. Mit diesen Aktionen will das BMBF zu einer nachhaltigen Förderung Lebensbegleitenden Lernens aller Menschen und einer zukunftsorientierten Reform der Bildungsstrukturen beitragen.

Die Leitgedanken dabei sind:

  • Stärkung der Eigenverantwortung sowie Selbststeuerung der Lernenden,
  • Abbau der Chancenungleichheiten,
  • Kooperation der Bildungsanbieter und Nutzer/-innen sowie 
  • Stärkung der Bezüge zwischen allen Bildungsbereichen.

Die Entwicklung „Lernender Regionen“ bildet den Kern des BMBF-Aktionsprogramms „Lebensbegleitendes Lernen für alle“.

Ziel des von BMBF und Ländern jeweils zur Hälfte finanzierten Modellprogramms „Lebenslanges Lernen“ der BLK ist es, neue Formen der bildungsbereichsübergreifenden Kooperation zwischen allen Bundesländern zur Förderung Lebenslangen Lernens zu initiieren. Dabei sollen vor allem die Eigenverantwortung und Selbststeuerung der Lernenden gestärkt und die Zusammenarbeit von Bildungsanbietern und Bildungsnachfragern verbessert werden. Länderübergreifend werden im Rahmen des BLK-Modellprogramms Verbundprojekte zur Qualitätssicherung sowie zur Zertifizierung von nicht formal erworbenen Qualifikationen und Kompetenzen gefördert.

Strategie

Bund und Länder haben am 5. Juli 2004 in der BLK die  gemeinsame Strategie für das „Lebenslange Lernen“ in der Bundesrepublik Deutschland verabschiedet. Die Verständigung über das „Lebenslange Lernen“ dokumentiert die Bereitschaft und Fähigkeit, unser Bildungssystem zukunftsfähig zu gestalten und seinen Beitrag dafür zu leisten, dass Europa zu einer der wettbewerbsfähigsten Wissensgesellschaften der Welt wird. Der Bericht ist in seiner Bedeutung gerade auch für den internationalen Kontext, insbesondere gegenüber EU und OECD, von nicht zu unterschätzender Bedeutung, da es Lebenslanges Lernen auch über den nationalen Bereich hinaus definiert.

In der Strategie werden die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Lebenslanges Lernen von der Förderung unserer Kinder bis einschließlich der Zeit des Ruhestandes aufgezeigt. Sie stellt dar, wie das Lernen aller Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensphasen und Lebensbereichen, an verschiedenen Lernorten und in vielfältigen Lernformen angeregt und unterstützt werden kann. Sie beinhaltet sowohl eine Sachstandsbeschreibung des bisherigen Entwicklungsstandes als auch realistische und auf Nachhaltigkeit angelegte Perspektiven für die weitere notwendige Förderung Lebenslangen Lernens in Deutschland.

Die Befähigung zum Lebenslangen Lernen wird zukünftig immer stärker der Schlüssel für den persönlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg sein. Lebenslanges Lernen muss deshalb zu einer Selbstverständlichkeit in allen Bildungsbereichen (Kindergarten, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, Weiterbildung) und allen Politikbereichen werden. Die Strategie sollte deshalb in die entsprechenden Arbeiten aller in Bildung und Wirtschaft verantwortlich Tätigen einbezogen werden um sie mit Leben zu erfüllen und möglichst breit und nachhaltig umzusetzen.

Als Anlagen zum Strategiepapier werden die Ergebnisse einer Umfrage bei Bund und Ländern über Aktivitäten zur Förderung des Lebenslangen Lernens und eine Auflistung von good-practice-Beispielen zur Verfügung gestellt.

Die BLK erarbeitet zurzeit noch eine Gesamtübersicht der Maßnahmen von Bund und Ländern sowie eine Literaturübersicht, die voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen werden. Diese werden dann ebenfalls im Internet abrufbar sein.


  • Bildung

    Lernende Regionen

    Lernen muss in unserer Wissensgesellschaft jeder Bürgerin und jedem Bürger möglich sein. Die Entwicklung bedarfsgerechter Angebote und optimaler, individueller Bildungsdienstleistungen sind hierfür wichtige Schlüsselfaktoren. Um dies zu ermöglichen, fördert das BMBF Netzwerke, in denen Bildungsanbieter und -nachfrager auf regionaler Ebene eng zusammenarbeiten.
    [mehr…] (URL: http://www.bmbf.de/de/414.php)

  • Bildung

    Datengrundlagen – das Panel zum Lebenslangen Lernen

    Wer nutzt Lebenslanges Lernen, was sind die Ergebnisse? Langfristige Datenerhebungen zu Bildungswegen durch verschiedene Qualifikationsangebote fehlen. Der Aufbau eines Panels zum Lebenslangen Lernen soll Abhilfe schaffen.
    [mehr…] (URL: http://www.bmbf.de/de/495.php)

  • Bildung

    Kommission zur Finanzierung des Lebenslangen Lernens

    Wie kann die Finanzierung des Lebenslangen Lernens aussehen? Dazu nahm im Oktober 2001 die auf Beschluss des Deutschen Bundestages berufene unabhängige Expertenkommission „Finanzierung Lebenslangen Lernens“ ihre Arbeit auf. Die Expertenkommission hat Bundesministerin Edelgard Bulmahn nun am 28.07.04 ihren Schlussbericht übergeben. Die Bundesregierung wird den Bericht zur weiteren parlamentarischen Beratung dem Präsidenten des Deutschen Bundestages zuleiten.
    [mehr…] (URL: http://www.bmbf.de/de/190.php)