Die neue PISA-Studie der OECD

Bildung

Nach der aktuellen PISA-Studie „Lernen für die Welt von Morgen: Erste Resultate von PISA 2003“ der OECD ist Deutschland nur im Mittelfeld. Im Vergleich zur ersten Studie hat Deutschland damit zwar besser abgeschnitten. Die notwendigen Bildungsreformen sind aber erst in den Anfängen. Das Ganztagsschulprogramm des BMBF, die von Bund und Ländern finanzierte Bildungsberichterstattung und die Verbesserungen des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts in gemeinsamen Vorhaben können nur erste Schritte zur Verbesserung der schulischen Bildung in Deutschland sein.


PISA – Zum Hintergrund

Mit den PISA-Studien (Programme for International Student Assessment“) untersucht die OECD, wie gut junge Menschen auf Herausforderungen der Wissensgesellschaft vorbereitet sind. Zielgruppe sind die Fünfzehnjährigen, für die in zahlreichen Staaten bald die Pflichtschulzeit endet. Die erste PISA-Erhebung fand im Jahr 2000 statt, die zweite im Jahr 2003. Die dritte Erhebungsrunde, deren Haupttest im Jahr 2006 stattfindet, wird bereits vorbereitet. Die OECD plant weitere Erhebungsrunden.

Mit den erzielten Ergebnissen wird die Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme der teilnehmenden Staaten verglichen und Anhaltspunkte für mögliche Weiterentwicklungen der Bildungssysteme geliefert. PISA ist ein auf Dauer angelegtes Bildungsmonitoring. Die Erhebungen werden mit einem abgestimmten Testprogramm im Abstand von drei Jahren durchgeführt. So lässt sich ablesen, inwieweit ergriffene Maßnahmen die angestrebten Wirkungen erreichen konnten.

Bei PISA wird die Leistungsfähigkeit von Bildungssystemen verglichen. Untersucht werden die Kompetenzen von fünfzehnjährigen Schülerinnen und Schülern in den Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. In jeder Erhebungsrunde wird jeweils ein Schwerpunkt in umfassender Weise untersucht. Bei PISA 2000 war der Schwerpunkt die Lesekompetenz, bei PISA 2003 nun die Mathematik.

Bei PISA werden zusätzlich auch fächerübergreifende Kompetenzen erhoben. Während bei der Erhebung im Jahr 2000 das selbstorganisierte Lernen im Mittelpunkt stand, stand 2003 das Problemlösen im Zentrum dieser sogenannten Cross-Curricular-Competencies. Erhebungen zu Lernstrategien, Lernmotivation und zur Vertrautheit mit Informationstechnologien ergänzen den fächerübergreifenden Untersuchungsbereich.
PISA 2003 befragt darüber hinaus die Schülerinnen und Schüler zu ihrer Wahrnehmung von Schule und Unterricht sowie zu Merkmalen der familiären Umgebung. Auf diese Weise kann analysiert werden, inwieweit die soziale und kulturelle Herkunft Kompetenzunterschiede bestimmt, ob die Bedingungen des Aufwachsens zu unterschiedlichen Lern- und Entwicklungschancen führen und ob kognitive Potentiale in den Bildungssystemen unterschiedlich gefördert und ausgeschöpft werden.

An PISA 2003 beteiligen sich 41 Staaten (30 OECD-Staaten und 11 Partnerländer) mit insgesamt rund 250.000 Schülerinnen und Schülern. In Deutschland nahmen 216 Schulen und 4660 Schülerinnen und Schüler an den Erhebungen zum internationalen Vergleich teil. Deutschland nahm auch 2003 die Möglichkeit wahr, die Stichprobe so zu ergänzen, dass aussagekräftige Vergleiche zwischen den Ländern der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt werden können.

41 Staaten haben sich an PISA beteiligt. Die Ergebnisse des Ländervergleichs (PISA-E) mit ausführlichen Analysen zum Zusammenhang von Migrationshintergrund und Bildungserfolg werden als zweiter nationaler Bericht im Herbst 2005 veröffentlicht. Im Frühjahr 2006 werden schließlich die Hauptergebnisse aus der Messwiederholungsstudie mit kompletten Klassen präsentiert.

Ergebnisse

Positiv an den Ergebnissen der aktuellen Studie ist, dass sich Deutschland insgesamt leicht verbessert hat. Es gibt deutliche Fortschritte bei naturwissenschaftlichen und mathematischen Kompetenzen. Beim Problemlösen liegen die deutschen Schülerinnen und Schüler sogar über den internationalen Vergleichswerten. Bei der Lesekompetenz sind wir jedoch nach wie vor schlecht.

Negativ ist, dass die Schere zwischen guten und schlechten Schülern noch größer geworden ist. Die Streuung bei den PISA-Ergebnissen ist so hoch wie in kaum einem anderen Land – zwischen unterschiedlichen Schulformen genauso wie innerhalb der gleichen Schulform. Die Verbesserungen sind ausschließlich zurückzuführen auf Verbesserungen in den Gymnasien. In den Hauptschulen wurden dagegen keine Fortschritte erzielt. Besonders aufmerken lässt, dass sich bei den schlechtesten Schülerinnen und Schülern seit der letzten PISA-Studie nichts getan hat. 22% der Schülerinnen und Schüler gehören zur so genannten „Risikogruppe“ – Schüler, deren Bildungsergebnis nicht für den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung oder den Berufseinstieg reicht.

Leichte Verbesserungen, aber keine Entwarnung. Trotz leichter Verbesserungen sollte damit klar sein, dass sich die Lage in unserem Bildungssystem eher verschärft hat. Kinder aus unteren Einkommensschichten haben sehr viel schlechtere Bildungschancen, schwächere Schüler werden an unseren Schulen vernachlässigt. Als einen Grund nennt die OECD die frühe Auslese von zehnjährigen Kindern nach der vierten Klasse. Die OECD bezweifelt, dass allein durch die weitere Optimierung des bestehenden gegliederten Bildungssystems wesentliche Verbesserungen bei der Chancengerechtigkeit und damit auch bei der Gesamtleistung des Bildungssystems erzielt werden können.

Was ist geschehen, was ist noch zu tun

Wir brauchen einen besseren Unterricht, bessere Betreuung und eine bessere individuelle Förderung. Bund und Länder haben 2002 ein Aktionsprogramm zur Bildungsreform verabredet. Die Bundesregierung hat mit dem Ganztagsschulprogramm das größte Schulprogramm aufgelegt, das es in diesem Land je gab. Mit den zur Verfügung gestellten vier Milliarden Euro entstehen überall in Deutschland Ganztagsschulen. Ganztagsschulen bieten pro Tag mehr Zeit zu lernen. Dort gibt es mehr Möglichkeiten, auf jedes Kind einzugehen und es bestmöglich zu fördern. Wir stehen bei den Reformanstrengungen aber immer noch am Anfang.

Erfolgreiche Konzepte in die Schulen bringen

Das vorliegende PISA-Ergebnis dokumentiert Verbesserungen bei den mathematisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Das sollte Anlass sein, die in dem von Bund und Ländern gemeinsam getragenen SINUS-Programm entwickelten Reformschritte zur Verbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts in die Breite zu tragen. Auch am Transfer der SINUS-Ergebnisse in die Schulen bis 2007 ist das BMBF beteiligt. Ähnliche Programme gibt es für den Chemie– und Physikunterricht.

Investitionen in Bildung

Wir brauchen eine bessere Kinderbetreuung und frühkindliche Erziehung. PISA zeigt, dass Kinder, die vorher im Kindergarten oder in der Vorschule waren, besser abschnitten. Die Streichung der Eigenheimzulage würde für Länder und Kommunen über 3 Milliarden Euro für die Bildung freisetzen. Mit dem Geld ließen sich Lehrer, Sozialpädagogen oder Erzieher einstellen.

Bildungsberichterstattung und Bildungsstandards

PISA zeigt: Entscheidend sind nicht volle Lehrpläne und Vorschriften, sondern national einheitliche Bildungsstandards und ihre Überprüfung. Schulen und Lehrer brauchen sowohl Spielräume für die Entwicklung eigener Schulprofile als auch eine klare Orientierung, welche Kompetenzen ihre Schüler erreichen müssen. Das Ergebnis der Arbeit lässt sich nur in nationalen Vergleichstests erheben, um die Qualität der Leistungen noch zu steigern. Um zu wissen, wo das deutsche Bildungssystem steht, haben sich Bund und Länder auf eine gemeinsame Bildungsberichterstattung geeinigt, die aussagekräftige Indikatoren zu zentralen Bildungsbereichen liefern soll. Der erste Bericht soll 2006 erscheinen.

  • Ganztagsschulunterricht
    Bildung

    Ganztagsschulen – das Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“

    Mit dem Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ (IZBB) unterstützt die Bundesregierung die Länder beim bedarfsgerechten Auf- und Ausbau von Ganztagsschulen. Das Investitionsprogramm ist ein Schritt auf dem Weg zu einer Bildungsreform, den Bund und Länder gemeinsam beschreiten. Von den IZBB-Mitteln der Jahre 2003 und 2004 profitieren gegenwärtig rund 3.000 Schulen.
    [mehr…] (URL: http://www.bmbf.de/de/1125.php)

  • Bildung

    Bildungsstandards und deren Evaluation

    In den bei PISA erfolgreichen Staaten ist Evaluation selbstverständlich. Dabei werden Ziele für Fertigkeiten und Fähigkeiten aller Schülerinnen und Schüler einer Jahrgangsstufe verbindlich festgelegt. Die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems wird dann daran gemessen, in welchem Umfang diese Ziele erreicht wurden.
    [mehr…] (URL: http://www.bmbf.de/de/1154.php)

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    SINUS, ChiK und PiKo: Verbesserung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts

    Mathematik und die Naturwissenschaften gelten als schwere Unterrichtsfächer. Im internationalen Vergleich sind die Ergebnisse unserer Schülerinnen und Schüler mittelmäßig, in Mathematik im unteren Bereich. Dabei gibt es Materialien und Beispiele für guten Unterricht. Um die Ergebnisse des SINUS-Programms zur Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts flächendeckend in alle Schulen zu bringen, haben Bund und Länder deshalb ein Transferprogramm zur Umsetzung gestartet. Das BMBF fördert daneben weitere Projekte zur Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts.
    [mehr…] (URL: http://www.bmbf.de/de/1254.php)