BMBF-Forum für Nachhaltigkeit

Als Exporteur von Umwelttechnik steht Deutschland heute weltweit an zweiter Stelle. Um bis zum Jahr 2010 die Spitzenposition zu übernehmen, fördert das BMBF die Nachhaltigkeitsforschung in den nächsten fünf Jahren mit dem neuen Rahmenprogramm „Forschung für die Nachhaltigkeit“ mit rund 800 Millionen Euro. Bundesministerin Edelgard Bulmahn verkündete das neue Rahmenprogramm zum Auftakt des BMBF-Forums für Nachhaltigkeit am 30. November 2004 in Berlin. Die Veranstaltung zeigte, dass Nachhaltigkeit nicht nur die natürlichen Ressourcen schont, sondern auch ein Innovationsmotor ist, der das Wirtschaftswachstum steigert und Arbeitsplätze schafft.


Zu den wichtigsten Zielen des BMBF gehört es, den Wohlstand zu sichern, ohne dabei die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Die dazu nötigen Forschungsaktivitäten fördert das BMBF mit dem Rahmenprogramm „Forschung für die Nachhaltigkeit“ im Umfang von insgesamt rund 800 Millionen Euro. Zu den Förderbereichen im Programm gehört unter anderem, die Produktivität bei der Nutzung von Energie und Ressourcen bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln und die Entwicklung von Ökotextilien oder leiseren Flugzeugen voran zu treiben. Doch Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz, sie ist zugleich ein Innovationsmotor und schafft wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze.

Sechs Jugendliche der Jungen Presse machten sich vor Ort ein Bild über die aktuellen Nachhaltigkeitsdebatten. Sie nahmen an der Pressekonferenz und den Diskussionsforen teil, führten Interviews mit Wissenschaftlern und Politikern und schrieben Artikel über das Forum sowie über Forschungsprojekte in der Bionik. Beratend zur Seite stand den jungen Redakteuren Hanna Gersmann, Wirtschaftsredakteurin der taz. Der Artikel über das Forum sowie die Sonderseite zum Thema Bionik erschienen in den folgenden Tagen in der taz.

Innovationsmotor Nachhaltigkeit

Copyright:event-photo.bizBundesministerin Edelgard Bulmahn eröffnete am 30. November 2004 zum Start des neuen Förderprogramms vor rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das erste Forum für Nachhaltigkeit des BMBF im Umweltforum Berlin Auferstehungskirche. Die ehemalige Kirche ist nach Grundideen nachhaltiger Entwicklung umgebaut worden. So wird zum Beispiel Energie durch Solarzellen gewonnen und eine energiesparende Dämmtechnik verwendet.

Das BMBF verfolgt mit dem Rahmenprogramm „Forschung für die Nachhaltigkeit“ die Ziele, dass Deutschland bis 2010 Exportweltmeister auf den Umweltschutzmärkten wird, bis 2015 der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland von 130 Hektar auf 30 Hektar sinkt und bis 2020 die Energie- und Ressourcenproduktivität verdoppelt wird.

Copyright: event-photo.biz Mit dieser Agenda entstehen zusätzliche Arbeitsplätze. Schon heute gibt es im Bereich Umweltschutz mit 1,5 Millionen
Beschäftigten mehr Arbeitsplätze als im Maschinenbau, im Fahrzeugbau oder in der Ernährungsbranche. Beim Export steht Deutschland weltweit an zweiter Stelle. „Neue Impulse aus der Nachhaltigkeitsforschung können dazu beitragen, dass wir in diesem Bereich die Spitzenposition einnehmen“, so Bundesministerin Edelgard Bulmahn.

Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung zählen zu den Zielen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Für Bulmahn steht fest: Nur mit Hilfe von technologischen Innovationen können diese Ziele verwirklicht werden. Dabei kommt der „Bildung für Nachhaltigkeit“ ebenfalls eine zentrale Rolle zu.

Professor Claus Weyrich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG, betonte die Bedeutung der Nachhaltigkeit: „Wir dürfen in der Gegenwart nicht zu Lasten der Zukunft handeln. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg berücksichtigen wir daher bei unseren Entscheidungen immer auch Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft. Nachhaltigkeit ist einer der Grundwerte, auf die unser Unternehmen baut, heute genauso wie vor 157 Jahren.“

Verantwortung über Deutschland hinaus

Nach den Eröffnungsreden von Bundesministerin Edelgard Bulmahn und Professor Claus Weyrich begrüßte der TV-Journalist Hendrik Hey die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Podiumsdiskussion „Die Bedeutung von Bildung und Forschung für die Nachhaltige Entwicklung“. Das Podium erörterte vor allem die unterschiedlichen Auffassungen von Nachhaltigkeit und die Rolle, die Bildung und Technologie bei der Förderung von Nachhaltigkeit zukommt.

Beispielsweise betonte Dr. Angelika Zahrnt vom Umweltverband BUND: „Es geht bei Nachhaltigkeit nicht um ein Wirtschaftsförderungsprogramm“. Vielmehr sei der Gedanke der Nachhaltigkeit, dass Wirtschaft und Gesellschaft sich innerhalb der ökologischen Grenzen entwickeln. Dafür seien Strategien für effizientere Produkte wichtig. Es müsse aber auch die Frage gestellt werden, ob eine weitere Steigerung materieller Güter zum Wohlbefinden beitrage, oder ob es nicht vielmehr darum gehen müsse, das rechte Maß zu finden. In den Industrieländern maßvoll mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen – dies mache außerdem einen wesentlichen Teil unserer Verantwortung gegenüber den Entwicklungsländern aus.

Die anschließende Mittagspause bot Gelegenheit, die ausgestellten Projekte zu besuchen, wie das ökologische Haus der Zukunft, den nach bionischen Prinzipien konstruierten Schiffspropeller sowie eine Fernsehsendung, die Zuschauer zu einem nachhaltigen Lebensstil motivieren soll. Sie verdeutlichten, wie Forschung für Nachhaltigkeit zu konkreten Ergebnissen und Produkten führt.

König Kunde?

Podiumsrunde der FONA-TagungsDer zweite Teil des Programms startete mit dem Diskussionsforum „Nachhaltigkeit in der Wirtschaft“. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Forschung erörterten unter anderem, ob der Kunde zur Nachhaltigkeit erzogen werden kann und in welchem Maße die Unternehmen von der Produktakzeptanz der Kunden abhängig sind.

Im letzten Diskussionsforum „Europäische Strategie und Internationale Zusammenarbeit“ wurde die nachhaltige Entwicklung aus UN- und EU-Sicht vorgestellt. Als letzter Redner berichtete Tesfaye Kebede Gurmessa, BMBF-Stipendiat im Programm Wasserwirtschaft, über seine Erfahrungen während seines Studiums in Deutschland und erklärte, wie er das Wissen in seiner Heimat Äthiopien zur Lösung der Wasserprobleme einsetzen will.

Plattform für den Austausch

Am Abend waren sich alle Tagungsteilnehmer einig: Das Forum bietet eine geeignete Plattform für den Austausch zwischen Experten und Akteuren der Nachhaltigkeits-Community aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verbänden und soll in den nächsten Jahren weiter fortgesetzt werden.