Bundesbericht Forschung 2004

Forschung

Der alle vier Jahre erstellte „Bundesbericht Forschung“ ist die umfassendste Darstellung der Forschungslandschaft in Deutschland. Erstmals finden hier auch die Daten des Berichts zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands Aufnahme. Der Bericht belegt: Die Bundesregierung hat mit ihren Investitionen in Forschung und Entwicklung den Standort Deutschland gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen. Mit einer deutlichen Steigerung der Mittel für Forschung und Entwicklung seit 1998 um eine Mrd. Euro auf jetzt neun Mrd. Euro setzt die Bundesregierung auf einen klaren Innovationskurs.


Die Bundesregierung folgt mit dem „Bundesbericht Forschung 2004“ einem Auftrag des Parlaments, alle vier Jahre eine aktuelle Forschungsbilanz vorzulegen. Diese Bilanz ist von den Ressorts unter Federführung BMBF erstellt worden – mit zwei Ausnahmen: der Selbstdarstellung der Länder und des Expertenberichts zur technologischen Leistungsfähigkeit.

Der Bundesbericht Forschung zeigt: Seit 1998 wurde viel erreicht. Wurden die Ausgaben des Bundes für Forschung und Entwicklung zwischen 1992 und 1998 um mehr als umgerechnet 670 Mio. Euro reduziert, sind dagegen zwischen 1998 und 2003 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um 1 Mrd. Euro auf rund 9 Mrd. Euro gestiegen.


Dieses entschiedene Handeln hat auch die Wirtschaft zu Investitionen ermutigt. Und so ist der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt von 2,31% im Jahr 1998 auf aktuell 2,52% angewachsen. Im Vergleich zu Großbritannien und Frankreich steht Deutschland damit gut da. Skandinavische Länder, die USA und Japan liegen allerdings weiterhin an der Spitze, gemessen am Anteil für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt.
(D=2,5% F=2,2% GB=1,9% SW=2,3%, J=3,2%, USA=2,7% vom BIP)

Die neuen Länder und Berlin werden – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil überproportional gefördert. Während 1998 knapp 1,7 Mrd. Euro oder 23,3% der gesamten Forschungsmittel des Bundes dorthin flossen, waren es 2003 bereits mehr als 2 Mrd. Euro oder rund 25%.

I. Investitionen mit Wirkung

Deutschland hat seine starke Position auf den internationalen Technologiemärkten behauptet. Im Jahr 2002 betrug allein bei Gütern der Hoch- und Spitzentechnologie der Exportüberschuss 132 Mrd. Euro. Bei forschungsintensiven Gütern liegen wir mit einem Weltmarktanteil von 14,9% nach den USA (19,4%) weltweit auf Platz 2.

Die hohe Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungssystems zeigt sich auch bei den weltweiten Veröffentlichungen. In international renommierten Fachzeitschriften belegt Deutschland mit einem Anteil von 9% nach den USA (32%) und Japan (10%) den dritten Platz. Mit 127 weltmarktrelevanten Patenten je 1 Mio. Einwohner liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 2. Von den großen Industriestaaten kommt lediglich Japan auf mehr Patente (164).

Mit Hilfe gezielter Förderung z.  B. durch das Programm „InnoRegio“ entwickelt sich in Ostdeutschland eine leistungsfähige Innovationsstruktur. In den letzten zwei Jahren haben zwei Fünftel der untersuchten InnoRegio-Unternehmen Patente angemeldet, die meisten Unternehmen haben neue Produkte auf den Markt gebracht, zwei Fünftel davon sogar völlig neue Entwicklungen. Seit 2000 sind über 50 neue Unternehmen gegründet worden. Von den 23 Regionen, in denen seit 2000 insgesamt 50 neue Unternehmen gegründet wurden, sei hier stellvertretend die „InnoRegio Mahreg Automotive“ aus dem Bereich der sachsen-anhaltinischen Automobilzuliefererindustrie genannt. Hier wurden neun neue Unternehmen gegründet, 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und der Gesamtumsatz der beteiligten Unternehmen um 30% gesteigert.

II. Vorsprung in den wichtigsten Zukunftsbranchen ausgebaut

In der Lasertechnik: Hier war Deutschland in den 80er Jahren noch Importeur. Gezielte Forschungsförderung hat unser Land zu einem weltweit führenden Anbieter optischer Technologien wachsen lassen. Deutschland produziert inzwischen 40% aller für die Materialbearbeitung eingesetzten Laser. Heute sind 110.000 Menschen bei Herstellern optischer Komponenten und Geräte beschäftigt. 50.000 neue Arbeitsplätze sind dabei erst in den vergangenen Jahren entstanden.

In der Informationstechnologie: Im Programm „IT-Forschung 2006“ stellt die Bundesregierung insgesamt 3 Mrd. Euro für die Forschung zur Verfügung. Deutschland ist heute einer der modernsten IT-Standorte der Welt. Das schafft zukunftssichere Arbeitsplätze – gerade in den neuen Ländern. Mit Förderung des BMBF ist in der Region Dresden das Silicon Valley Europas entstanden. Insgesamt wurden dort 6 Mrd. Euro an zusätzlicher Wertschöpfung mobilisiert und unmittelbar 11.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die Biotechnologie ist als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts ein zentraler Schwerpunkt der Forschungsförderung der Bundesregierung. Derzeit gibt es 25 Bioregionen in Deutschland mit rund 600 jungen Unternehmen, 360 davon allein im biomedizinischen Bereich. Damit liegt Deutschland europaweit an der Spitze. Das BMBF hat für die Biotechnologie im Jahr 2003 insgesamt rund 715 Mio. Euro bereit gestellt.

Die Nanotechnologie
verspricht den nächsten großen Innovationsschub. Das BMBF hat die Projektfördermittel für diesen Bereich seit 1998 von 27,6 Mio. Euro auf 123,8 Mio. Euro im Jahr 2004 mehr als vervierfacht. Zusammen mit der Projektförderung des Bundeswirtschaftsministeriums und der institutionellen Förderung gerechnet wird sich die  Steigerung von 293,1 Mio. Euro in diesem Jahr auf 298,3 Mio. Euro im Jahr 2005 fortsetzen.

III. Reformen für die innovativen Strukturen von morgen

Innovationen sind aber nicht allein eine Frage des Geldes. Ohne leistungsfähige Strukturen, die vorhandene Potenziale wecken, funktioniert der Fortschritt nicht. Hier hatte die Bundesregierung die notwendigen Reformen im Bundesbericht Forschung 2000 klar identifiziert und entschlossen umgesetzt. Das sind

  • die Umstellung der Großforschungseinrichtungen von einer institutionellen auf eine programmorientierte, wettbewerbliche Finanzierung
  • die Einführung einer leistungsbezogenen Besoldung der Professorinnen und Professoren
  • die Einführung der Juniorprofessur, die es dem wissenschaftlichen Nachwuchs ermöglicht, jetzt schon mit Anfang 30 statt mit Anfang 40 selbstständig zu lehren und zu forschen.
  • die Mobilisierung der Begabungen der jungen Generation. Der BAföG-Ausbau hat dazu geführt, dass der Anteil von Studienanfängern am Altersjahrgang von 27,7% im Jahr 1998 auf 35,7% im Jahr 2003 gesteigert werden.

IV. Die Weichen in die Zukunft sind gestellt

Die Weichen für die Zukunft sind durch gezielte strategische Initiativen und Programme richtig gestellt worden:

  • mit dem High-Tech Masterplan, der die Bedingungen für junge technologieorientierte Unternehmen spürbar verbessert
  • mit der Gründerinitiative, die die Startchancen für innovative Unternehmen weiter ausbaut
  • mit dem „Pakt für Forschung und Innovation“, mit dem die großen Forschungsorganisationen Planungssicherheit erhalten, gleichzeitig aber weitere Reformen voranbringen müssen – getreu dem Motto „Mehr Geld für die Forschung – mehr Forschung für’s Geld!“
  • mit dem gemeinsamen Wettbewerb von Bund und Ländern, um die deutschen Hochschulen in der Spitze und Breite voran zu bringen
  • mit der Fokussierung der anwendungsorientierten Projektförderung auf Zukunftsfelder mit sichtbarer Hebelwirkung auf Wachstum und Beschäftigung.