Kommission zur Finanzierung des Lebenslangen Lernens

Bildung

Wie kann die Finanzierung des Lebenslangen Lernens aussehen? Dazu nahm im Oktober 2001 die auf Beschluss des Deutschen Bundestages berufene unabhängige Expertenkommission „Finanzierung Lebenslangen Lernens“ ihre Arbeit auf. Die Expertenkommission hat Bundesministerin Edelgard Bulmahn nun am 28.07.04 ihren Schlussbericht übergeben. Die Bundesregierung wird den Bericht zur weiteren parlamentarischen Beratung dem Präsidenten des Deutschen Bundestages zuleiten.


Im Oktober 2001 nahm die unabhängige Expertenkommission „Finanzierung Lebenslangen Lernens“ ihre Arbeit auf. Auftrag dieser Kommission war es, neue Strategien für die Finanzierung Lebenslangen Lernens zu entwerfen, die zu einem realistischen, tragfähigen und nachhaltigen Gesamtkonzept für die Finanzierung des Weiterlernens im Erwachsenenalter weiterentwickelt werden können. Die Vorschläge sollten sowohl den zu erwartenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen als auch die individuellen Chancen zur Teilhabe an Bildung – insbesondere der bildungsfernen und benachteiligten Gruppen – erhöhen und gleichzeitig das Engagement der vornehmlich kleinen und mittleren Betriebe für die Qualifizierung ihrer Beschäftigten unterstützen und fördern.

Der Mitte 2002 vorgelegten Zwischenbericht „Auf dem Weg zur Finanzierung Lebenslangen Lernens“ beinhaltete zunächst eine Bestandsaufnahme und eine Analyse der äußerst vielgestaltigen Weiterbildungslandschaft in Deutschland. Die Kommission ging davon aus, dass:

  • die Eigenverantwortung für Lebenslanges Lernen im Erwachsenenalter steigt,
  • die Finanzierung der mit dem Lebenslangen Lernen von Erwachsenen in einer Wissensgesellschaft einhergehenden Anforderungen mehr Beiträge der Individuen, der Unternehmen und der Gesellschaft erfordert, die durch eine die Leistungsfähigkeit der Beteiligten nicht überfordernde Ko-Finanzierung aufgebracht werden sollen,
  • der mit Lebenslangem Lernen zusammenhängende Zeitverbrauch Regelungen erfordert, um die notwendigen und verfügbaren zeitlichen Ressourcen für Lernprozesse optimal und verteilungsgerecht einsetzen zu können,
  • es zu einer verbesserten Verbindung von Lernorten und Lernformen kommen muss, damit das Ziel erreicht werden kann, die Bildungsbeteiligung insbesondere aus bildungsfernen Gruppen zu erhöhen,
  • die Unternehmen für die betrieblichen Bildungsinvestitionen weiterhin die Verantwortung tragen und
  • die öffentliche Verantwortung für Lebenslanges Lernen sich nicht mehr auf die Jugendphase beschränken lässt, sondern sich auch auf das Erwachsenenalter erstreckt.

Empfehlungen und Ergebnisse

Die Kommission richtet sich mit ihren Empfehlungen zur Gestaltung der Rahmenbedingungen für Lebenslanges Lernen sowohl an die Bundesregierung als auch an die Länder. Die Empfehlungen beziehen sich auch auf von der Bundesregierung bereits ergriffene Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturen des Bildungssystems, die das Lebenslange Lernen erleichtern. So haben Bund und Länder Anfang des Monats in der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung gemeinsam die „Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland“ verabredet, in der sowohl Maßnahmen zur Durchlässigkeit des Bildungssystems angesprochen werden, als auch zur Transparenz der Angebote, Beratung, und die Zertifizierung informell erworbener Kompetenzen.

Die Experten sehen in ihrem Bericht die Notwendigkeit einer nationalen Bildungsberichterstattung. Sie soll durch die systematische Auswertung internationaler Erfahrungen sowie ziel- und nachfragegruppenspezifische Analysen ergänzt werden. Die Bundesregierung hat im Juni mit den Ländern eine nationale Bildungsberichterstattung verabredet.

Die Expertenkommission hat auftragsgemäß geprüft, wie die Chancen für eine Beteiligung an Weiterbildung gerade für Menschen mit niedrigerem Einkommen weiter verbessert werden können. Die Bundesregierung unterstützt individuelle Bildungsanstrengungen jetzt schon durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) sowie die in den Sozialgesetzbüchern festgelegten Leistungen. Inwieweit es zweckmäßig und möglich ist, die bestehenden Maßnahmen für erwachsene Lerner zusammen zu fassen, perspektivisch weiter zu entwickeln und damit in ihrer Konsistenz und Effizienz zu verbessern, wird geprüft. Die Bundesregierung beteiligt sich im Rahmen von OECD-Untersuchungen an der Bewertung der Kompetenzen von Erwachsenen und der Zusammenhänge von sozialer Herkunft, geringem Bildungsstatus und niedrigem Einkommen.

Die Expertenkommission richtet sich mit ihren Vorschlägen auch an die Tarifparteien. Demzufolge sollen Lernzeitkonten intensiver genutzt und Lernende für Fortbildungen mit einem Recht zur Rückkehr in den Betrieb freigestellt werden können. Ferner schlagen die Experten ein Modellprogramm für die Förderung des Weiterbildungsengagements von kleinen und mittleren Unternehmen vor. Auch die Länder sind Adressaten der Empfehlungen.

Die Empfehlungen der Expertenkommission müssen nun von allen bildungspolitisch Verantwortlichen geprüft werden. Die Bundesregierung wird Gespräche mit den Ländern aufnehmen und im Herbst eine Anhörung der Verbände und Tarifpartner durchführen.