Humangenomforschung

Die Humangenomforschung eröffnet völlig neue Perspektiven für die Bekämpfung von Krankheiten. Schon jetzt hat die Anwendung moderner molekularbiologischer Methoden und Erkenntnisse die tägliche medizinische Praxis revolutioniert. Diagnose, Vorbeugung und Therapie menschlicher Erkrankungen basieren zunehmend auf dem Wissen über die molekularen Ursachen der Erkrankung bei jedem einzelnen Patienten. Das BMBF hat mit dem Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) und dem Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN) zwei erfolgreiche Forschungsinitiativen auf den Weg gebracht. Die Projekte der zweiten NGFN-Förderphase stehen nun fest.


Die Anwendung moderner molekularbiologischer Methoden und Erkenntnisse kann für einzelne Patienten in besonderen Fällen zu einer maßgeschneiderten Therapie genutzt werden, die auf den Erkenntnissen über seine individuelle Erkrankung und seine genetische Konstitution aufbaut. Bereits vor Ausbruch von bestimmten Krankheiten wird es möglich sein, durch genetische Analysen Prädispositionen zu erkennen und durch Vorbeugung Risikofaktoren und schädliche Umweltbedingungen zu begrenzen. Ergebnisse aus der Humangenomforschung sind für die medizinische Praxis von wachsender Bedeutung. 

Das Deutsche Humangenomprojekt

Mit dem Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) wurde bereits 1995 ein systematisches Förderkonzept veröffentlicht, das eine neue Qualität der Kooperation und Vernetzung in der Humangenomforschung ausgelöst hat. Es wurde in erster Linie durch den Aufbau integrativer, zentral organisierter Forschungs- und Servicestrukturen (Ressourcenzentrum) und durch den effektiven und effizienten Technologietransfer zwischen Wissenschaft und biotechnologischer Industrie beziehungsweise Pharmaindustrie erreicht.

In der ersten Förderphase bis Ende 1999 standen grundlegende genetische Analysen wie die Bestimmung der Basensequenz im Mittelpunkt. Im Mai 2000 wurde die vollständige Sequenz des Chromosoms 21 veröffentlicht. Dieses Projekt, an dem deutsche Forschergruppen maßgeblich beteiligt waren, wurde von einer Forscherin aus dem Deutschen Humangenomprojekt koordiniert. Seit April 2003 ist das gesamte menschliche Genom entziffert.
 
In der zweiten Förderphase, die bis 2004 dauert, wird der Schwerpunkt auf die Funktionsanalyse des menschlichen Genoms und der Genome von Modellorganismen gelegt. Die 1997 gegründete Patent- und Lizenzagentur im DHGP hat zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Anmeldung von Patenten unterstützt. Die Gründung von Unternehmen aus dem DHGP und seinem Umfeld heraus ist eine weitere positive Folge. Das BMBF fördert das DHGP in dieser zweiten Förderphase mit insgesamt 61,3 Mio. €.

Das Nationale Genomforschungsnetz

Mit der Etablierung des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) im Jahr 2001 baut das BMBF auf den erfolgreichen Arbeiten des DHGP auf und setzt eine Kernaktivität der Bundesregierung im Rahmen des Zukunftsinvestitionsprogramms (ZIP) „Forschung für den Menschen“ um. Mit diesem Maßnahmenpaket wird die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf einem der wichtigsten Zukunftsfelder in Wissenschaft und Wirtschaft nachhaltig gestärkt. Fünf Krankheitsbereiche, die viele Menschen betreffen, werden erforscht: Herz-Kreislauf, Krebs, Erkrankungen des Nervensystems, umweltbedingte Erkrankungen, Infektionen und Entzündungen. Ethische, soziale und rechtliche Fragestellungen der Genomforschung werden dabei integriert und mit der Öffentlichkeit soll ein breiter Diskurs geführt werden. Für dieses Forschungsprogramm stellt das BMBF bis Mitte 2004 rund 180 Mio. € Fördermittel zur Verfügung. Obwohl das NGFN erst im Jahr 2001 gestartet ist, haben die interdisziplinären Anstrengungen bereits jetzt zu beachtlichen Erfolgen geführt. Die Vision dieses international beispielhaften Forschungsprojekts ist es, maßgeschneiderte Therapien für wichtige Volkskrankheiten zu entwickeln oder im Idealfall durch präventive Maßnahmen den Ausbruch der jeweiligen Erkrankung sogar zu verhindern.

Zweite Förderphase

Die zweite Phase des NGFN ist im Mai 2004 gestartet; bis 2007 stellt das BMBF weitere 135 Mio. € bereit. Damit werden rund 300 neue Forschungsprojekte gefördert. In dieser Förderrunde werden nicht nur stark vernetzte Forschungsprojekte gefördert, sondern auch einzelne innovative Forschungsideen. Die vollständige Liste der geförderten Projekte finden Sie [hier].

Der Schwerpunkt dieser Förderphase liegt noch stärker auf der krankheitsorientierten Genomforschung in den Bereichen Herzkreislauferkrankungen, Krebs, Infektionen und Entzündungen, umweltbedingte Erkrankungen sowie Erkrankungen des Nervensystems. Ziel ist es, Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der Volkskrankheiten zu verbessern.

Ergänzt werden diese Projekte duch Systematisch-Methodische Plattformen, die auf allen wichtigen Technologiefeldern im Hochdurchsatzverfahren systematisch Daten für die Humangenomforschung  generieren. Diese Plattformen übernehmen infrastrukturelle Aufgaben und stellen standardisierte biologische Forschungsmaterialien bereit.

Die Explorativen Projekte sind ein neues Instrument für innovative Ideen zu methodischen Neu- und Weiterentwicklungen oder Ansätze zur Erforschung inhaltlich neuer krankheitsorientierter Gebiete. Hier wurden 19 Projekte ausgewählt, um neue Technologien und Anwendungsfelder für die Humangenomforschung erschließen, die sich heute noch in einem sehr frühen Stadium befinden.